{"id":2062,"date":"2014-01-02T16:52:50","date_gmt":"2014-01-02T14:52:50","guid":{"rendered":"http:\/\/2013.nordgau.at\/?page_id=2062"},"modified":"2014-10-14T11:15:40","modified_gmt":"2014-10-14T09:15:40","slug":"1938-1945-verboten-und-verfolgt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.nordgau.at\/?page_id=2062","title":{"rendered":"1938 &#8211; 1945"},"content":{"rendered":"<p><strong>Verboten und verfolgt<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der M\u00e4rz 1938<br \/>\n<\/strong>Der Druck des Dritten Reiches auf \u00d6sterreich war beinahe unertr\u00e4glich geworden (Juli &#8211; Abkommen 1936; Berchtesgadener Abkommen 12. Februar 1938). Als letzten Ausweg beschloss Bundeskanzler Schuschnigg die Abhaltung einer Volksabstimmung \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit \u00d6sterreichs am 13. M\u00e4rz 1938. In die Mitarbeit bei der Vorbereitung f\u00fcr die Volksbefragung wurde auch der WCV eingebunden, wobei die Leitung bei Heinrich Drimmel (dem Schulungsreferenten der Landesleitung der VF Wien) und Cbr. Hloudscha (Rd), der das Hochschulreferat innehatte, lag Bei einer Plakatierungsaktion in der Nacht zum 11. M\u00e4rz stie\u00dfen ca. 20 Cbr.Cbr. der Austria Wien auf 60 Schl\u00e4ger des Bundes Oberland (die Nationalsozialisten zeigten sich seit Berchtesgaden wieder in aller \u00d6ffentlichkeit), dessen Kern die SS &#8211; Standarte 89 bildete. Die Nationalsozialisten er\u00f6ffneten das Feuer, drei Austern wurden verletzt. Hitler hatte bereits den Einmarsch in \u00d6sterreich beschlossen. Am Nachmittag des 11. M\u00e4rz erreichte die damalige Bude Nordgaus (Kohlmarkt 4, I. Bezirk) der Anruf des WCV &#8211; Vorsitzenden, alle aktiven Bbr.Bbr. sollten sich zum Zwecke der Bewaffnung gegen einen drohenden NS &#8211; Putsch zum Concordiaplatz begeben. Die anwesenden Nordgauer leisteten dieser Aufforderung Folge und erhielten vorerst jeder ein Feldbett zugewiesen. Doch um 19:47 Uhr hielt Bundeskanzler Schuschnigg \u00fcber Rundfunk seine ber\u00fchmte Abschiedsrede, die er mit den Worten &#8222;Gott sch\u00fctze \u00d6sterreich&#8220; schloss. Am 12. M\u00e4rz \u00fcberschritten deutsche Truppen die Grenze, am 14. M\u00e4rz hielt Hitler in Wien seinen Einzug. Das Finis Austriae bedeutete auch das Ende der katholischen Verbindungen in \u00d6sterreich. Die Existenz dieser St\u00fctzen des alten st\u00e4ndestaatlichen Systems und des Widerstandes konnten die Nationalsozialisten nicht dulden.<\/p>\n<p><strong>Nordgauer in den Tagen des Anschlusses 1938<br \/>\n<\/strong>Noch am 13. M\u00e4rz gelang den Bbr.Bbr. Fr\u00fchauf, Krotz und Handler, das Archiv Nordgaus in einer alten Selchkuchl auf der Bude zu verstecken. Die ehrw\u00fcrdige Fahne aus dem Jahr 1907 schmuggelte Handler um den Leib gewickelt aus der Bude, sie \u00fcberstand den Krieg unversehrt. Als Krotz und Fr\u00fchauf zwei Tage sp\u00e4ter erneut die Bude besuchen wollten, endete dieser Versuch bereits mit Verhaftung und Verh\u00f6r im Hotel Metropol. Der letzte Senior cand. merc. Hans Borik wurde von den Beh\u00f6rden zum kommissarischen Leiter eingesetzt, der die Aufl\u00f6sung der Verm\u00f6genswerte und der Verbindung insgesamt abzuwickeln hatte. Die Bude wurde von der SA besetzt. Eine Woche nach der Besetzung konnten zwei junge beherzte Bbr.Bbr., med. Erich Drobec und med. Friedrich Prskavec, einen unbewachten Moment nutzen, um zwei komplette Garnituren Wichsen f\u00fcr den Senior und den Fuchsmajor aus der Bude zu schmuggeln. Sie bildeten nach dem Krieg den Grundstock der Chargiert\u00e4tigkeit. Das offizielle Ende Nordgaus kam dann am 24. April 1938 mit der letzten Liquidationssitzung in der Wohnung des Philisterseniors Dipl.Ing. Otto Schubert.<\/p>\n<p><strong>EXKURS I: CV, Christlichsoziale und Antisemitismus<br \/>\n<\/strong>Der Name Lueger ist nicht nur mit dem Aufstieg der Christlichsozialen, sonder auch mit jener Art verbal radikalem Antisemitismus, der als konfessionell bestimmter Antijudaismus in \u00d6sterreich Tradition hatte. Er blieb auch nach 1918 Bestandteil des christlichsozialen Propagandainstrumentariums. Man erging sich in w\u00fcsten Beschimpfungen und setzte den Antisemitismus als Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie ein, zu Umsetzungen derartiger Parolen in die Tat kam es aber nie. Am radikalsten in dieser Richtung war Anton Jerbazek (B! Olympia Wien), Gr\u00fcnder des &#8222;Antisemitenbundes&#8220;, der auch vor der Zusammenarbeit mit den Gro\u00dfdeutschen, deren Antisemitismus stark rassistisch bestimmt war, nicht zur\u00fcckschreckte. Er agitierte gegen die Einwanderung von Juden aus dem Osten und forderte die Einf\u00fchrung eines Numerus clausus f\u00fcr j\u00fcdische Studenten. Antisemitischer Parolen bedienten sich aber auch Politiker aus den Reihen des CV, so Leopold Kunschak (Nc EM), der F\u00fchrer der christlichen Arbeiterbewegung. Richard Schmitz (Nc), Unterrichtsminister und B\u00fcrgermeister von Wien im St\u00e4ndestaat, trat f\u00fcr die Ghettoisierung der Juden ein. Aber auch ganz offiziell hie\u00df es im Parteiprogramm der Christlichsozialen von 1926 unter Artikel VIII: &#8222;;Als national gesinnte Partei f\u00f6rdert die christlichsoziale Partei die Pflege deutscher Art und bek\u00e4mpft die \u00dcbermacht des zersetzenden j\u00fcdischen Einflusses auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet.&#8220; Ein Theoretiker des &#8222;Verh\u00e4ltnisses zu den Juden&#8220; kam aus den Reihen Nordgaus. Emmerich Czermak entwickelte in seinem Buch &#8222;Ordnung der Judenfrage. Verst\u00e4ndigung mit dem Judentum&#8220; 1933 den Plan zur Umsiedlung europ\u00e4ischer Juden nach Madagaskar. Im St\u00e4ndestaat stand er zusammen mit Josef Tz\u00f6bl (Am) dem 1934 gegr\u00fcndeten &#8222;\u00d6sterreichischen Verband f\u00fcr volksdeutsche Auslandsarbeit&#8220; vor, der f\u00fcr die Erhaltung deutschsprachiger Minderheiten im Ausland, aber auch gegen &#8222;nichtdeutsche&#8220; Bev\u00f6lkerungsanteile in \u00d6sterreich agitierte. Der Rassenantisemitismus nationalsozialistischer Pr\u00e4gung wurde aber sowohl von der katholischen Kirche als auch den offiziellen Stellen des St\u00e4ndestaats sowie dem CV stets abgelehnt. Dass er auch im Nordgau keine Wirkung entfalten konnte, zeigt unter anderem das Schicksal von Bbr. Dr. Franz Deutsch, der aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft von den Nationalsozialisten ermordet wurde.<\/p>\n<p><strong>EXKURS II: CV, Korporationswesen und Nationalsozialismus: \u00dcberl\u00e4ufer und Zahlen<br \/>\n<\/strong>Trotz der st\u00e4ndigen Beschl\u00fcsse \u00fcber die Unvereinbarkeit von CVertum und Nationalsozialismus fand der Hitlerismus auch in den Reihen der katholischen Verbindungen Sympathisanten. Vor allem die Kreise der &#8222;Katholisch &#8211; Nationalen&#8220; sind hier zu nennen, die in ihrer Begeisterung f\u00fcr gro\u00dfdeutsches Gedankengut nach 1938 bereitwillig Gefolgsleute des F\u00fchrers wurden. Darunter waren auch Nordgauer zu finden, etwa Univ. Prof. Hans Eibl (NdW EM, nach 1945 Ausschlu\u00df), Josef Ober (NdW, nach 1945 Ausschlu\u00df) und Dr. Karl Gottfried Hugelmann (AW, NdW EM, ging aber sp\u00e4ter in den Widerstand). Auch Prof. Taras Borodajkewycz (Nc, nach 1945 Ausschlu\u00df), der sp\u00e4ter noch traurige Ber\u00fchmtheit erlangte, kam aus dieser Gruppe<\/p>\n<p>In seiner Gesamtheit blieb aber der \u00d6CV im Vergleich zu den wehrhaften Korporationen den Werbungen der Nationalsozialisten gegen\u00fcber vor 1938 relativ immun, w\u00e4hrend nach dem Anschlu\u00df doch einige CVer ihre f\u00fcr das neue Regime belastende Vergangenheit durch eine NSDAP &#8211; Mitgliedschaft zu kompensieren trachteten, oder aber um des Erhalts ihrer Posten willen den Eintritt in einen der NS &#8211; Berufsverb\u00e4nde vollzogen Diese Entwicklung belegte der Historiker Gehler in seiner Untersuchung der Mitglieder der Innsbrucker Korporationen. Als signifikante Merkmale f\u00fcr besonders fanatischen Nationalsozialismus nennt er den Eintritt in die NSDAP vor 1933 bzw. in der Illegalit\u00e4t 1933 bis 1938 sowie die Angeh\u00f6rigkeit zu SA oder SS. Sein Zahlenmaterial gibt folgendes Bild f\u00fcr Innsbruck, wobei zu ber\u00fccksichtigen ist, da zahlreiche Studenten aus dem nahen Deutschen Reich ihren Weg an den Inn fanden.<\/p>\n<p><a href=\"\/?page_id=2064\">weiter mit 1945 bis 2000<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verboten und verfolgt Der M\u00e4rz 1938 Der Druck des Dritten Reiches auf \u00d6sterreich war beinahe unertr\u00e4glich geworden (Juli &#8211; Abkommen 1936; Berchtesgadener Abkommen 12. Februar 1938). Als letzten Ausweg beschloss Bundeskanzler Schuschnigg die Abhaltung einer Volksabstimmung \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit \u00d6sterreichs am 13. M\u00e4rz 1938. 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